Motorrad: Ankauf / verkaufen - eine kleine Kaufberatung - Teil 1

Ein gebrauchtes Motorrad kaufen - worauf ist zu achten?

Nachfolgend habe ich mal zusammengestellt worauf man beim Ankauf eines gebrauchten Motorrades alles achten KANN. Und wenn man es einschätzen kann auch sollte.

Ein Motorrad zu verkaufen kann kann schön problematisch werden. Eines zu kaufen ist da fast noch schlimmer. Man möchte ja sein sauer Erspartes nicht zum Fenster hinaus werfen. Von daher möchte ich hier ein paar Tips sammeln und auflisten, die hoffentlich ein wenig mehr Sicherheit geben das Obkjekt der Begierde besser einzuschätzen.

Beim durchblättern der einzelnen Punkte könnt Ihr vielleicht den Eindruck bekommen: das ist zu viel und zu schwierig. Ganz soo einfach ist das auch nicht – vor allem die einzelnen Punkte einzuschätzen bedarf es etwas Erfahrung. Aber es könnte ja sein, dass das eine oder andere als Tip und Erklärung genau zum richtigen Zeitpunkt kommt und Euch zu einer (hoffentlich: besseren) Einschätzung verhilft.

Eine Besichtigung zu zweit bietet sich immer an, insbesondere wenn der Begleiter etwas Ahnung hat.

Versucht „kühl“ und rational an die Sache ranzugehen, je weniger Emotionen und „ich-will-haben“-Gefühle im Spiel sind umso geringer ist die Gefahr sich nachher zu ärgern!

Ein Risiko gibt es aber, ganz besonders wenn man es ZU genau machen möchte:
man wird unsicher und kann sich zuletzt nicht mehr entscheiden. Das gilt insbesondere wenn die technischen Kenntnisse nicht besonders ausgeprägt sind.
Hier kann ich nur dazu raten vor allem anderen darauf zu achten dass das Motorrad GEPFLEGT ist. Ein „sauberes“, ein geputztes und gepflegtes Motorrad ist wahrscheinlich auch ein gutes Motorrad.
Ausnahmen bestätigen die Regel.

Sollte die Besichtigung des bikes mit eine weiteren Anfahrt verbunden sein, plant unbedingt mit ein UMSONST gefahren zu sein und den Kauf nicht zu tätigen, wenn die Besichtigung selbst nicht überzeugend ausfällt! Nehmt Ihr es dennoch werdet Ihr wahrscheinlich mit dem Kauf nicht glücklich. Außerdem solltet Ihr den möglichen Preis für das bike bereits vor Abfahrt klar umreissen. Der Verkäufer weiß so gut wie Ihr, dass Ihr möglichst nicht ohne Motorrad wegfahren wollt.

Ok., keine Panik. Macht Euch im Vorfeld ein paar Gedanken und dann wird´s schon was. Viel Erfolg!

zu allererst sollte man man sich einen Gesamteindruck verschaffen. Möglichst bei Tageslicht im Freien besichtigen.
Einmal drumherum gehen und von allen Seiten betrachten.

  • ist das Motorrad gepflegt?
  • ist die Maschine im Originalzustand?
  • ist der Lack original?
  • gibt es zu angebauten Extras und Umbauten auch noch die Originalteile?

immer wieder bekommt zu hören: „ich habe es nicht so mit dem putzen, aber technisch ist alles in Ordnung!“

Frage: wenn ich mich wirklich um den Zustand meines Motorrades gekümmert habe, warum hatte ich dann keine Zeit (oder Lust?) es mal ab und zu zu putzen? Die simpelste Variante sich um seine bike zu kümmern ist: es zu pflegen. Dabei fällt am ehesten auf, ob irgendetwas einzustellen, zu warten, reparieren oder zu ersetzen ist.
Nicht dass ich jetzt jedes ungeputze Motorrad für schrottreif erklären möchte, aber ein gepflegtes Motorrad ist im Regelfall genau das: gepflegt.

ist das Motorrad umlackiert stellt sich immer die Frage: warum?

eine Lackierung, vor allem eine gute ist teuer! Nur „weil es mir besser gefallen hat“ als Begründung ist  unglaubhaft. Ich würde da auf Stürze und Beschädigungen tippen, die es in der Vergangenheit mal gab und besonders genau hinschauen.

Es ist natürlich schön wenn ein Haufen Extras im Preis inbegriffen ist.

Sind die eintragungspflichtig? Sind sie eingetragen? Oder sind sie es nicht aber es gibt ABEs dazu oder eingeprägte KBa-Nummern an den Bauteilen?

Es droht ein Mängelbericht der Polizei, die vorläufige Stillsetzung, ein Erlöschen der Betriebserlaubnis … Punkte in Flensburg, Bußgelder, Strafverfahren und zahlungsunwillige Versicherungen wenn´s hart auf hart kommt. Unter Umständen richtig viel Ärger!

Vorhandene Originalteile deuten darauf hin dass der Grund für den Anbau der Extras nicht die Beschädigung oder Zerstörung der Originalteile war.

Reifen sind ein Verschleißteil. Die beiden Zigarettentschachtel-großen Aufstandsflächen vorne und hinten entscheiden über Haftung oder Abflug. – Pokal oder Spital sozusagen. Somit sind sie das wahrscheinlich wichtigste Teil am Möpp überhaupt! Nichts beeinflusst das Fahrverhalten derart, nichts macht den Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Motorrad aus wie die Reifen.

Und sie sind mit das teuerste Ersatzteil das regelmäßig auf einen zukommt.

Ich setze mal voraus, dass die „richtigen“ Reifen aufgezogen sind. Welche das sind steht in der Zulassung (Größe/Dimension vorne/hinten, evtl. sind bestimmte Reifen vorgeschrieben, bzw. der Verkäufer kann eine Reifenfreigabe vorlegen wenn andere aufgezogen sind.)

Wie alt sind die Reifen? Das Alter der Reifen ist auf der Reifenflanke abzulesen. In einem ovalen Feld, hinter der Prägung „DOT“ findet sich eine vier-stellige Zahl. Die könnte z.B. „1718“ lauten, dabei steht die „17“ für die Kalenderwoche, die „18“ für das Jahr. 1718 hieße dann: produziert in der 17. Kalenderwoche des Jahre 2018

Wie alt dürfen die Reifen denn sein? Herstelleranweisungen an Reifenhändler besagen dass ein Reifen, verpackt in Folie, sachgemäß gelagert (dunkel, kühl) dann noch als „neu“ verkauft werden darf, wenn er bis zu 5 Jahre alt ist.

Während Ihr nach der DOT sucht seht Ihr zwangsläufig das Reifen-Profil. In den Profilrillen finden sich kleine „Stege“, Erhöhungen die anzeigen wann die Mindestprofiltiefe erreicht ist. Liegen die auf gleicher Höhe mit der Lauffläche ist der Reifen tot. Der muss neu. Sieht das Profil ungleichmäßig abgefahren aus (ausgewaschen – manche Reifen neigen dazu) ist der Reifen ebenfalls mit Skepsis zu betrachten. Das einzuschätzen bedarf ein wenig an Erfahrung. Sind an den Reifenflanken oder in den Profilfurchen Risse erkennbar sollte der Reifen UNBEDINGT erneuert werden.

Bekommt man den Daumennagel nicht mehr in die Lauffläche gedrückt ist der Reifen ausgehärtet. das mag bei Wärme im Sommer und trockener Straße wenig problematisch sein. Ist es kalt und/oder feucht kann das gefährlich werden. Nagelneue Reifen sind weich wie ein hartes Radiergummi und ganz leicht „klebrig“ (wie eine alte eine Haftunterlage für´s handy auf dem Armaturenbrett vielleicht)

Rechnet bei Reifen mit Kosten von 200,00 bis 400,00 Euro für den Satz.

(wenn ich hier Preise angebe sind das Annahmen und Erfahrungswerte. Teurer geht immer!)

die Räder, bzw. die Felgen werdet Ihr zwangsläufig sehen, wenn Ihr die Reifen checkt.

Lässt sich Hinterrad nach rechts und links bewegen? „Wackelt“ es?  – dann sind wohl die Radlager hin. Das gleiche beim Vorderrad, hier ist es aber schwieriger einzuordnen, weil sich ja die Lenkung mitbewegen lässt. Ein wenig Erfahrung hilft das einzuschätzen.

Streicht mal mit dem Finger über die Felgenkanten. Einmal ´rum, links und rechts. Fühlt sich das „bucklig“ an hat die Felge eine Delle. Sind Schürfungen drin (also keine Lackkratzer), sondern der Lack ist weg, die Oberfläche ist rauh (und es ist obendrein bucklig) kann man schon mal Stürze und Unfälle vermuten. Das jeweilige Rad mal durchdrehen, sollte da ein Schlag sein kann man den in der Regel auch gut sehen.

Bremsen sind neben den Reifen das wichtigste Teil und Ihr Ersatz ist bei Verschleiß ebenfalls teuer.

bedenkt bitte, fährt das Mopped nicht ist das blöd. Fährt es jedoch aber bremst nicht ist das lebensgefährlich!

Die Bremsbeläge sind dabei eher das „unwichtigere“ Bauteil (weil deren Ersatz nicht so in´s Geld geht). Solang es nicht knirscht und quietscht UND auch bremst sind sie noch vorhanden.

Es sind die Bremsscheiben, die richtig teuer werden können. nehmt einfach die Scheibe zwischen Daumen und Zeigefinger und fühlt  über die Belagfläche – einfach mal von innen nach außen drüber streichen. Bemerkt Ihr am äußeren Rand einen Absatz (den „Grat“) ist die Stärke der Scheibe nicht mehr die originale. Im inneren Ring (da wo die Schrauben sind), von außen sichtbar, steht eine Gravur : minimum thickness, oder auch min. thickn.… z.B. 4,5. Die Scheibe  war wahrscheinlich im Neuzustand 5 oder 5,5 mm stark (so wie der Grat aktuell noch ist) und darf nicht dünner werden als 4,5 mm (da wo die Beläge „schleifen“)

Ist die Bremsscheibe ölfeucht solltet Ihr danach gleich mal den Punkt Gabel konsultieren!

Bremsscheiben kosten beim Vertragshändler gerne mal 200,00 – 300,00 Euro. Das Stück! hinten sind sie günstiger.

Im Zubehör bekommt man Scheiben von verschiedenen Herstellern für ab 100,00 / 150,00 das Stück. Bitte UNBEDINGT auf ABEs oder Kba-Nummern achten. Ohne Unterlagen / Freigaben dürfen die nicht verbaut werden. „Chinaware“ doppelt checken! Ohne eindeutige Freigaben: Finger weg!

Die Bremsbeläge kann man überprüfen indem man mit einer Lampe mal in die Bremssättel hineinleuchtet. Neu sind sie eh´ nicht besonders dick, sind da noch 2 und mehr mm vorhanden ist das gut. Die Belagflächen sind meistens geschlitzt. Sieht man Schlitz von außen ist ebenfalls noch ausreichend Belag vorhanden.

Schiebt das Motorrad mal oder lasst jemanden das Heck herunter drücken und dreht die Räder von Hand. Wenn es nicht wirklich frei dreht, stellenweise etwas schwerer dreht oder gar leicht blockiert sind wohl die Bremsscheiben verzogen (ganz, ganz leichtes „schleifen“ ist normal, schließlich liegen die Bremsbeläge ja an der Scheibe an). Dann müssen die Bremsscheiben im Zweifelsfall ersetzt werden. Betätigt auch zwischendurch mal die Bremse beim drehen der Räder. Geht das Rad auf einmal schwerer als vorher „hängt“ die Bremse. Es müssen die Bremssättel gangbar gemacht werden. Das ist, wie ALLE Arbeiten an der Bremsanlage nichts für Ahnungslose! Zerlegen, reinigen (fachgerecht!) wieder zusammenbauen und alles „schmieren“ ist da die Aufgabe. Seid Ihr Euch da unsicher, solltet Ihr das NUR vom Fachmann machen lassen!

der Kettensatz ist das Dritte teure Verschleißteil. Auch hier warten um die 200,00 Euro auf euch, wenn der zu machen ist. Und auch hier gilt: teurer geht immer!

  • ist die Kette rostig?
  • macht sie Geräusche beim drehen des Rades?
  • sieht die Kette gepflegt aus?
  • wie sieht das Kettenrad aus?

Ist die Kette bereits rostig, quietscht sie wahrscheinlich beim drehen des Rades oder macht rasselige Geräusche. Wenn sich dann auch noch die einzelnen Glieder nicht mehr locker bewegen lassen ist die Kette hinüber. Dann droht Kettenriss!

Wer schon mal gesehen hat was so eine gerissene Kette verursachen kann hört jetzt alle Alarmglocken läuten! Tiefe Scharten in der Schwinge, zerschlagene Motorgehäuse sind da keine Seltenheit. Eine sich verwickelnde Kette kann zu ungewollten Vollbremsungen führen, wenn das hintere Rad blockiert. Im Falle des Super-GAU ist euer Fuß oder Bein der Kette im Weg, wenn sie peitschen sollte. Man solte das nicht unterschätzen.

Sieht die Kette jedoch gepflegt aus und ist sie (womöglich frisch) gefettet, ist das schon mal ein PLUS. Wenn allerdings überall im Bereich der Kette schwarzes Fett rumtrieft, womöglich bis auf´s Hinterrad und es auch aus der Abdeckung des vorderen Ritzel raus tropft ist das eher ein Hinweis auf : „ich habe mein Moped nicht wirklich lieb gehabt.“

Den Verschleiß von Kette und Ritzeln prüft man indem man versucht die Kette vom hinteren Kettenrad wegzuziehen. Geht das gar nicht. Gut! Geht es ein klein wenig muss man einschätzen in wie weit das ganze noch ok. ist. Kann man schon zwischen Kette und Kettenrad durchschauen ist der Satz hinüber. Dann könnte die Kette durchaus überspringen und blockieren. Wahrscheinlich sind dann die Zähne des Kettenrades bereits schon mehr spitz als „rundlich“, die Ausbuchtungen zwischen den Zähnen weit und die Zähne selbst nicht mehr wirklich symmetrisch, sondern einseitig ausgewaschen.

Die Spannung der Kette sollte Vorgaben des Herstellers entsprechen. Dazu ist oftmals ein Aufkleber auf der Schwinge zu finden. Faustregel: kann man die Kette von unten bis an die Schwinge drücken … sie darf gerade so eben anschlagen: ist das ok. … Kann man sie deutlich bis großfächig an die Schwinge anlegen? … das ist zu locker. Sitz die kette richtig stramm ist das nicht gut! Beim einfedern des Motorrades spannt sich die Kette durch. Sie kann derart stramm werden, dass sie das Lager des vorderen Ritzels beschädigt (es sitzt auf der Getriebeausgangswelle IM Motorgehäuse). Das zu ersetzen wird RICHTIG teuer. In der Regel muss der Motor dazu raus und zerlegt werden.

Macht das vordere Ritzel beim durchdrehen deutlich mahlende Geräusche (knirschend, knarrend, „knurpselig“) könnte es durchaus an diesem Lager liegen. Da kann man eigentlich nur die Finger von lassen. Das einzuschätzen ist aber schwierig und der Schaden als solcher ist auch eher selten zu beobachten.

Ist die Kette viel! zu stramm gespannt kann sie auch reißen. Das für Euch als Hinweis für´s regelmäßige Kette spannen.

Die Vorderradgabel ist das nächste wo man hinschauen sollte.

Ist schon vorher aufgefallen dass eine der Bremsscheiben verölt ist? Läuft Öl aus den „Gabel-Simmeringen“? Diese Gabeldichtringe sollen das in der Gabel befindliche Öl drinnen und Dreck aus der Gabel raus halten. Läuft es dort raus und ist die verchromte Gleitschicht ölfeucht MUSS das behoben werden. Mann kann und sollte vieles schmieren, aber die Bremse dann doch lieber nicht. Und da genau wird das Öl nämlich hin laufen.

Gabel zerlegen, Dichtringe neu, Staubkappen erneuern, Öl in der RICHTIGEN Menge und von passender Viskosität einfüllen sind die Aufgabe.

Selber machen? Ohne Kenntnisse und kompetente Hilfe: lieber nicht! Und schwupps! sind die nächsten 250,00 Euro über den Jordan. Oder mehr …

Mit Abstand von der Seite betrachtet kann man eigentlich ganz gut erkennen ob die Gabelholme jeweils wirklich gerade sind oder „irgendwie“ krumm erscheinen. Das wäre in der Regel die Folge einen Unfalles oder heftigen Sturzes. Dazu sich auch mal aufs Motorrad setzen, bzw. in den Rasten stehend von oben an der Gabel runter peilen. Lenker steht gerade – Vorderrad aber nicht? Dann ist die Gabel zumindest verdreht. Alle Befestigungen lösen oder gleich komplett aus- und einbauen. Das ist nichts für Unkundige. Nicht dass man auf einmal mit dem Mopped auf der Nase liegt weil man alle Befestigungen gleichzeitig gelöst hat 🙂

Gleichzeitig sehen wir von der Seite betrachtet ob das Vorderrad verdächtig nah am Motor und/oder Auspuffkrümmer oder dem unterem Verkleidungsteil steht. Dann gab´s aller Wahrscheinlichkeit nach mal einen Auffahrunfall (oder schlimmeres) und es könnte der Lenkkopf beschädigt sein.

Dann schauen wir uns auch gleich mal die Lenkanschläge an. Tickt der Lenker gegen den Tank ist das verdächtig. An der unteren Gabelbrücke sind „Nasen“, die Anschläge, die bei eingeschlagener Lenkung gegen ihr Pendant am Rahmen schlagen. Weiter soll`s auch nicht gehen. Sind diese Nasen eingedrückt, angerissen, gar abgerissen, verbogen oder geflickt hat das Motorrad definitiv einen (womöglich: schweren) Sturz oder Unfall hinter sich. Da hilft jede Beteuerung sie sei 100%“unfallfrei“ oder „nur mal umgefallen“ nichts! Mag ja sein, dass der Verkäufer von nichts weiß, aber das ändert nichts an der Tatsache als solche. Ein Erstbesitzer sollte auf jeden Fall wissen ob das Motorrad wirklich nie einen Unfall oder Sturz hatte. Wird hier von Verkäuferseite rum-geeiert wäre das für mich der Punkt ins Auto zu steigen und das ganze abzubrechen.

Zuletzt kann man noch das Lenkkopflager prüfen. Will das Motorrad nicht freihändig geradeaus fahren, kann das eine der Ursachen sein.

Moped hinten runterdrücken lassen, an die beiden unteren Gabelenden fassen und die Gabel – leicht – zu sich hin ziehen und von sich weg drücken. Nicht mit Kraft und Gewalt oder ruckartig – leicht! Spürt man ein „Spiel“, also sitzt das nicht stramm und fest ist das Lager zu lose. Und eventuell fällig.

Jetzt den Lenker mit „spitzen Fingern“ an den Enden nehmen und den Lenker sanft und nicht allzu zügig nach links und rechts einschlagen. Hat man in der Mittelstellung einen „Rastpunkt“, „schnappt“ der Lenker quasi ein (ganz leicht!) – ist das Lenkkopflager hinüber. Freihändig fährt da wahrscheinlich garnix mehr.

Überhaupt: freihändig fahren.

Geht. Das ist aber keine Aufforderung meinerseits das zu probieren! Nur wenn Ihr wisst was Ihr tut! Will das Motorrad nicht freihändig geradeaus fahren – will es also deutlich und spürbar nach rechts oder links – stimmt etwas nicht. Hinterrad schief eingebaut, Lenkkopflager, richtige Sch….-reifen oder im schlimmen Fall ein krummer Rahmen sind mögliche Ursachen dafür.

Rost, der Feind aller eisenhaltigen Metalle … oder allgemeiner: Korrosion

Sieht man. Wirkt ungepflegt (sh. oben)

Stellt Euch vor Ihr wolltet den beseitigen. Schrauben ersetzen geht ja noch. Ist der Gabelchrom im Eintauchbereich pickelig oder gar rostig könnt Ihr aber lange polieren. Die wird nur noch mit Glück dicht halten.

Rost auf der Bremsscheibe fährt sich ab – zumindest da wo die Beläge im Einsatz sind

Rost im Tank – ist ein echtes Problem! Der findet sich nämlich dann auch im den Vergasern wieder (und verstopft die Düsen)

Lasst euch nix von „ich habe einen Filter eingebaut“ erzählen. Der sich lösende Rost wird mit Zeit Puder-fein, da hilft kein Filter und die Leerlaufdüsen im Vergaser haben winzige Durchlässe. Das Motorrad wird zu 99,9% auch nach 100mal Ultraschall nicht ordentlich laufen. Jedenfalls nicht dauerhaft.

Einspritzer reagieren da nicht ganz so sensibel, aber auch die Einspritzventile sind Präzisionsbauteile. Die mögen auch nicht gern, wenn der Freund Rost ihnen bei der Arbeit reinpfuscht.

Durchrostungen, wie beim Auto sind als Problem eher zu vernachlässigen. Bei älteren Modellen (1. Goldwing z.B., überhaupt Honda) kommt es vor dass der Rahmen, vor allem im unteren Bereich (Ständer) von innen nach außen durchrostet. Kracht das Ding beim aufbocken und sinkt quasi im Ständer ein war´s das. Das ist dann Schrott. Mal unter´s Moped schauen ob da schon Rost zu sehen ist.

Ölverlust ist kein Schönheitsmangel.

Ölverlust ist ein TÜV-Mangel. Suppt es ordentlich rum und ist der TÜV-Stempel gerade frisch geklebt worden kann man sich schon fragen ob da noch andere Flüssigkeiten im Spiel waren. Googelt mal „Cognac-TÜV“ 🙂

Aber auch technisch gesehen ist das nicht schön. Im Neuzustand und im Normalfall liegen unter einem Motorrad keine Öltropfen oder gar Öllachen. Das abzustellen wird in der Regel teuer. Selbermachen ohne Erfahrung wird schwierig bis unmöglich.

Es gibt auch keine  „unbedenklichen“ und „bedenklichen“ Ölverluste. Eine Ölwanne oder einen Seitendeckel wo es an der Dichtfläche schwitzt und suppt ist sicherlich nicht so aufwändig instand zu setzen wie eine Kurbelgehäusedichtung. Aber zum Tausch der Papierdichtung kommt noch einiges an Vorarbeiten. Sonst suppt es gleich wieder.

Für die Motorgehäuse-Dichtung muss man schon den kompletten Motor zerlegen um ihn wieder dicht zu bekommen.

Aber unerheblich ob Deckel, Gehäuse, Kopfdichtung (die noch weitere Aspekte mit sich bringt) oder Fußdichtung – alles das ist kein „Kleinkram“.

Geht mal davon aus, dass der Verkäufer sich der Problematik durchaus bewusst ist – „ist doch nix wildes“ und „kann man schnell mal machen“ ist vor allem eines: schnell gesagt.

Jetzt geht es um den Motor, immerhin heißt es ja MOTORrad fahren, kaufen, verkaufen …

Ein gut gepflegtes Motorrad ist auch gut gewartet. Service-hefte, Wartungsbelege und Versicherungen eines vertrauenswürdigen Verkäufers sind die Plus-Kriterien in dem Zusammenhang.

Ein guter Motor startet auch gut. Ist der Motor bereits warmgelaufen wenn Ihr erscheint ist das eher etwas „verdächtig“. Ob er kalt gut startet könnt Ihr bei dieser Besichtigung nicht mehr herausfinden.

Den Motor starten – er sollte eigentlich nach einigen wenigen Umdrehungen anspringen. Sobald der choke weggenommen werden kann, bzw. sich das Standgas bei einem Einspritzer etwas gesenkt hat und sie stabil läuft solltet Ihr vorsichtig und leicht ansteigend Gas geben. Ruckelt das ordentlich, rasselt es, klackert es, mach es tack-tack-tack Geräusche? Hier stimmt was nicht.

Will der Motor nicht beschleunigen oder nur ruckelig und wenig „sämig“? Läuft sie auch im Stand etwas rumpelig? Ich könnte mir vorstellen nicht alle Zylinder laufen sauber mit. Man kann an den Auspuffkrümmern mal fühlen ob denn alle (gleich) warm, bzw. heiß werden. ABER VORSICHT! Heiß heisst hier: richtig heiß! Bis zu mehreren hundert Grad Celsius. Also bitte seid gewarnt, man kann sich da ordentlich verbrennen! Bleibt einer der Krümmer kalt merkt man das aber. Vergaser (einer sitzt zu), Zündkerzen / Zündkabel / Kerzenstecker (wahrscheinlich defekt) sind mögliche Ursachen.

Ist es ein Reihen-4-Zylinder mal schauen ob Zylinder 1 und 4, bzw. 2 und 3 gleichzeitig nicht wollen. Dann kann es die Zündspule, der Zündgeber oder die CDI sein.

Der Motor läuft rasselig? Dann kann es die Steuerkette sein oder der Spanner. Das Rasseln sollte beim Gasgeben weggehen. Sonst ist es wahrscheinlich was anderes. Aber auch das muss irgendwann mal behoben werden und kostet Geld.

Es klackert und / oder macht tack-tack-tack? Wie vorher auch schon: Leerlauf > leicht ansteigend Gas geben … eventuell geht es weg … das könnte ein Pleuellager sein, ein gebrochener Kolbenring, wenn es eher von unten kommt. Tackert es eher von oben aus dem Zylinderkopf sind es eventuell die Ventile oder Nockenwellen.

Ich hatte am Anfang geschrieben das einzuschätzen ist schon etwas schwierig. Vor allem wenn einem der Vergleich und die Erfahrung fehlen.

Wenn Ihr den Eindruck habt der Motor startet gut, er läuft „weich“ und „sämig “ im Leerlauf, er nimmt sauber Gas an (langsam Gas geben – Gas aufreissen geht fast immer, außer er „verschluckt“ sich dabei – vor allem hört man nichts mehr), er macht keine wirklich verdächtigen Geräusche seid Ihr schon auf der richtigen Fährte.

Sollte eine Probefahrt möglich sein, sollte sich das bis hierher festgestellte bestätigen lassen. Saubere Gasannahme ohne ruckeln, patschen, verschlucken und keine (trotz Helm) auffälligen Geräusche wären perfekt.

Stinkt das Motorrad nach der Probefahrt nach Öl, qualmt es bläulich (beim Gasgeben  deutlich sichtbar) aus dem Auspuff hat der Motor ein Problem.

Qualmt sie grau bis (das wäre extrem) dunkelgrau läuft sie viel zu fett. Es wird nach Benzin riechen und der Leerlauf wird nicht gut sein und sie wird wahrscheinlich absterben. Auch schon während der Probefahrt hat sich das wahrscheinlich nicht so überzeugend angefühlt.

Weißer qualm deutet auf eine defekte Zylinderkopfdichtung hin (bei Wasser-gekühlten Motoren) Mal im Stand weiter laufen lassen und sehen ob der Lüfter anspringt. Bitte nicht mit den Finger am Kühler rumfummeln! Auch wenn der Motor AUS ist!!! Die Finger sind dann schnell mal IM Lüfter zu finden obwohl Ihr die Hand schon wieder zurückgezogen habt) Blubbert es im Kühler-Ausgleichsbehälter ist das ebenfalls ein Hinweis auf die Kopfdichtung.

Üblicherweise bilden Motor und Getriebe eine Einheit. BMW, Guzzi, Harley, alte Engländer haben vom Motor getrennte Getriebeeinheiten. Handelt es sich um ein Motorrad mit Getriebe im gleichen Gehäuse sind Getriebeschäden wie Motorschäden zu betrachten. Die Kosten und der Aufwand einer Reparatur stehen Motorschäden in nichts nach. Bei getrennten Getriebegehäusen könnte man eines aus dem Gebrauchtmarkt nehmen und das defekte ersetzen. Das kann sich rechnen.

Krachen die Gänge, jaulen sie wie eine Straßenbahn, lassen sich die Gänge erst gar nicht schalten oder springen heraus ist das wohl nahezu das Ende. Motor zerlegen ist angesagt. Bei hochwertigen Motorrädern, insbesondere mit Kassettengetrieben mag das Sinn machen, für ein günstiges Motorrad ist die Reparatur kaum mehr wirtschaftlich.

Die Kupplung ist dagegen recht einfach zu tauschen – wenn es ein Motor ohne getrenntes Getriebe ist. Bei BMW Boxern mit separaten Getrieben zerlegt man das halbe Motorrad um an die Kupplung zu kommen … auch nicht wirklich sinnvoll so etwas zu kaufen. BMW nimmt ab 2000,00 aufwärts dafür. Bei Motoren mit Kupplung und Getriebe im Motor muss der Deckel runter und die Reibscheiben, eventuell auch die Stahlscheiben werden ausgetauscht und das Öl gewechselt.

Eine verschlissene Kupplung bemerkt man vor allem wenn der Windwiderstand bei hohen Geschwindigkeiten im hohen Gang der Kupplung viel abverlangt. Auf der Autobahn, dabei schnell hochbeschleunigen und der Motor dreht weiter hoch, aber man wird nicht schneller? DAS ist die verschlissene Kupplung. Kann man simulieren in dem man das Moped mit dem Vorderrad gegen eine Wand stellt und die Kupplung langsam kommen lässt. Stirbt der Motor ab ist das ok., stirbt er nicht ab oder nur widerwillig rutscht die Kupplung durch.

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